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Entsorgungs- und Endlagerkosten sollen abgewälzt und nicht begrenzt werden!

Der Vorschlag der Regierungskommission, dass die Betreiber von Kernkraftwerken einen bestimmten Betrag in einen Bundesfonds überweisen und damit die Endlagerkosten für den in Deutschland anfallenden radioaktiven Abfall bezahlen sollen, ist sicher sehr fragwürdig. Um einen Betrag für den Rückbau aller Kernkraftwerke und die Kosten für das Betreiben der erforderlichen Endlager nennen zu können, bedarf es mehr als rein wirtschaftlicher Überlegungen. Es sind in dieser Berechnung so viele Unbekannte enthalten, da niemand aus der Gruppe der derzeitigen Entscheider in die Zukunft – und schon gar nicht in eine ferne Zukunft – blicken kann. Dies wäre aber erforderlich, um die zu erwartenden Kosten für einen Zeitraum von möglicherweise mehreren Millionen Jahren kalkulieren zu können.

Dieser lange Zeitraum muss aber zumindest für einen Teil der radioaktiven Abfälle betrachtet werden, da diese Abfälle für eine solch lange Zeit eine Gefahr für die Biosphäre unseres Planeten darstellen. Dieser Zeitraum ist sicher nicht für die  gesamte anfallende Masse radioaktiver Abfälle erforderlich. Dies wird ersichtlich aus der Halbwertszeit der verschiedenen Radionuklide, aus denen sich solche Abfälle mit unterschiedlichen Gehalten zusammensetzen. Ein Teil dieser radioaktiven Elemente birgt neben der Strahlung zusätzlich auch noch die Gefahr, extrem giftig zu sein. Jedes atomare Endlager wird daher Stoffe enthalten, die unterschiedlich lange strahlen und Stoffe, die sowohl strahlen, als gleichzeitig auch noch als Gift wirken. 

Für den erforderlichen Zeitraum, der für ein Endlager betrachtet werden muss, seien hier nur einige Beispiele benannt: Plutonium ist ein giftiges Schwermetall, dessen Isotope stark unterschiedliche Halbwertszeiten haben. Das für die Kernreaktoren überwiegend produzierte Isotop Pu239 hat eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren. Das bedeutet, dass durch den exponenziell verlaufenden radioaktiven Zerfall nach 24.110 Jahren etwa die Hälfte der ursprünglichen Masse in ein anderes Isotop zerfallen ist. Aber auch dieses Zerfallsprodukt kann – mit einer anderen Halbwertszeit - wieder radioaktiv sein. Für das Isotop Pu239 bedeutet dies, dass selbst nach 24.110 Jahren von jedem Kilogramm endgelagertem Plutonium immer noch etwa 1 Pfund vorhanden ist und weiter strahlt. Daher wird für solche Elemente auch die spezifische Aktivität betrachtet. Sie sagt aus, mit wieviel Strahlung pro Masseneinheit der entsprechende Stoff radioaktiv zerfällt. Für das Isotop Pu239 werden 2.307.900 Bq/mg angegeben. Zum Vergleich sei hier die Strahlung benannt, die durch den radioaktiven Fallout des 1986 geschehenen Kernkraftwerksunfall in Tschernobyl im Fleisch von Wildscheinen aus dem Bayrischen Wald noch im Jahr 2002 gemessen wurde: Dort wurden für das Cäsium-Radionuklid Cs137 immer noch eine Aktivität 20.000 Bq/kg gemessen. Der EU-Grenzwert für die Aktivität dieses Radionuklids in Lebensmitteln beträgt höchstens 600 Bq/kg. Die Halbwertszeit von Cs137 wird mit 30 Jahren bei einer spezifischen Aktivität von 3.300.000.000 Bq/mg angegeben. 

In der Praxis von kerntechnischen Anlagen wird die Aktivität einer Strahlenquelle nach 10 Halbwertszeiten als vernachlässigbar betrachtet, das sie dann auf 1/1024 des ursprünglichen Werts abgenommen hat. Für das Radioisotop Pu239 bedeutet dies immer noch einen Wert von etwa 2.307 Bq/mg. Dieser Wert wird aber erst nach 241.100 Jahren erreicht. Der EU-Grenzwert für Lebensmittel für dieses Isotop beträgt höchstens 10 Bq/kg. Würde dieser Wert angewandt, wäre der Endlagerzeitraum um ein Vielfaches länger und würde mehrere Millionen Jahre betragen. Zu Beginn des Jahres 2010 gab es in Deutschland im Zusammenhang mit dem Betrieb von Kernkraftwerken knapp 100 t strahlendes Material mit dem Radionuklid Pu239.

Diese wenigen Daten zeigen, dass es nicht möglich ist, Endlagerkosten für diese Zeiträume überhaupt zu kalkulieren. Wer dennoch vorschlägt, diese Kosten für den Betreiber der Kernkraftwerke zu „deckeln“, will diese Kosten eigentlich nur auf den Verhandlungspartner abwälzen. Hier sollen die Energiekonzerne aus der Verantwortung genommen werden. Verantwortlich sollen – nach dieser Logik der Politiker und der Konzerne – die Käufer des Atomstroms, also die Bürger unserer Gemeinschaft sein. Diese Wahrheit wird aber leider von keinem Politiker, von keinem Kommissionsmitglied oder von keinem Manager eines Kraftwerksbetreibers benannt! Sie wird leider von allen Beteiligten an den Verhandlungen für die Allgemeinheit verschwiegen.

(von Dr. Peter Brinnel)

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