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"Europas größter Ökonomiekongreß" und Vortrag über Banken, Niedrigzinsen usw. (Dr. Riegler/F.-J. Benedikt)

Lauscht man den Vorträgen der Banker auf dem Ökonomiekongress, so vermag man einen Hauch von Wehleidigkeit zu vernehmen. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Dr. Johannes-Jörg Riegler, Vorstandsvorsitzender der Bayerischen Landesbank, in seinem Vortrag "Regulierung, Digitalisierung, Niedrigzinsen – Chancen und Herausforderungen für Deutschlands Banken" eine düstere Zukunft für die deutsche Bankenlandschaft zeichnet. Da ist von Filialsterben und kapitalbelastenden Regulierungen, von FinTechs und Digitalisierung die Rede. Und nicht zu vergessen die aktuelle Niedrigzinsphase, wodurch die Margen der Banken leiden.
 
Kurz gesagt, die Banken leiden unter den Ausläufern der Finazkrise und mit ihnen leidet das Vertrauensverhältnis zwischen der Gesellschaft und dem internationalen Bankenwesen. Die kausale Kette ist dabei ziemlich klar: mehr Regulierung bedeutet für die Bank einen höheren Bedarf an Eigenkapital und eine Veränderung des Anlageverhaltens. Die Kosteneinsparung durch Personalabbau scheint da kurzfristig eine optimale Lösung zu sein. Dass dies dem Verhältnis zwischen Kunde und Bank nicht zuträglich sein kann, ist verständlich. Und genau in eben jene Nische setzen sich jetzt die zahllosen Direktbanken und FinTechs. Auch diese sind spekulativ an den Finanzmärkten aktiv, jedoch eben nicht in dem Ausmaß der Deutschen Bank oder zumindest mehr gesetzeskonform. 
 
Und während Dr. Riegler durch seine Statistik-Folien schreitet, beschleicht den interessierten Zuhörer das Gefühl, dass es den Banken auf allen anderen Kontinenten deutlich besser geht. Riegler verdeutlicht dies anhand einer Statistik der Ratingagentur Standards and Poors. Während chinesische Investoren noch den deutschen Mittelstand aufkaufen, haben sich chinesische Banken klammheimlich an die globale Spitze der Finanzmärkte gesetzt und belegen die ersten drei Plätze der Rangliste. Deutschland befindet sich mit der Deutschen Bank auf Platz elf und tritt dann erst wieder mit der Commerzbank auf Platz 48 in Erscheinung.
 
Erfrischend ist jedoch Dr. Rieglers Ehrlichkeit. Dass ein Mentalitätswechsel in der Branche notwendig und die Boni-Kultur im Investmentbanking nicht sinnvoll sei, spricht er klar aus. Dieser Wechsel muss seiner Ansicht nach jedoch auch von den Universitäten und Studenten in die Banken getragen werden. Da das Ansehen des Berufsbildes Banker jedoch seit der Finanzkrise gelitten hat, Riegler verweist auf die Forsa-Umfrage 2015, fehlen eben diese. Laut dieser genießen Banker nur noch bei 36% der 'Befragten "ein (sehr) hohes Ansehen". Und liegt damit irgendwo zwischen Steuerbeamten und EDV-Sachbearbeiter auf Platz 24. 
 
Die einzig wirklich optimistisch stimmende Aussage des Nachmittags ist somit die Zusicherung von Franz Josef Benedikt, dem Präsidenten der Hauptverwaltung in Bayern der deutschen Bundesbank: "ICH SEHE KEINEN GRUND FÜR EINE ABSCHAFFUNG DES BARGELDES."

(von Lars Markthaler)

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