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Steuergelder als Lösung für Milliardenkosten und viele Baustellen innerorts?

Würden die derzeit in den Städten und Gemeinden vorhandenen Stromnetze so bleiben wie sie derzeit bestehen, wären sie für die angedachte Zunahme durch eine entsprechend steigende Anzahl an batteriebetriebenen Elektroautos nicht leistungsfähig genug – ihre derzeitige Kapazität wäre bald überfordert. Zu diesen Ergebnissen kommt eine Studie der Unternehmensberatung TCW, die der Münchner Professor Horst Wildemann im Auftrag von ABB erstellt hat.

In der Studie wird festgestellt, dass die Betreiber von Ladesäulen noch lange keine Gewinne erwirtschaften können. Für die Ausrüster der Stromnetze würde sich allerdings ein Milliardenmarkt ergeben. Um die Stromnetze auf die derzeit geplanten Anforderungen vorzubereiten, müssten bis zum Jahr 2030 dort etwa 11 Milliarden Euro investiert werden. Da stellt sich natürlich sofort die Frage, wer denn künftig diese Kosten tragen soll. Werden dafür wieder die derzeitigen Stromverbraucher über künftig steigende Netzentgelte abgezockt? Müssen die Bürger in Hessen in diesem Zusammenhang auch das derzeit diskutierte Gesetz zur Beteiligung von Anrainern am jeweils lokalen Straßenbau sehen?

Bezogen auf jede bereits bestehende Ladesäule müsse sich die Anzahl der batteriebetriebenen Elektrofahrzeuge mehr als verzehnfachen, damit sich der Betrieb dieser Säule für die Betreiber innerhalb von drei Jahren amortisieren könne. Da die Anzahl an Ladepunkten aber steigen solle, um Kaufanreize für batteriebetriebene Elektrofahrzeuge zu erzeugen, sei eine solche Entwicklung nicht zu erwarten, wird in der Studie festgestellt.

Die für einen Betrieb von vielen batteriebetriebenen Elektrofahrzeugen erforderliche Ladeinfrastruktur solle daher durch Subventionen von Bund und Ländern – also mit Steuergeldern – gefördert werden. Mit dem in der Studie angegebenen Betrag von 11 Milliarden Euro wird allerdings nur der notwendige Betrag für die Ladeinfrastruktur betrachtet. Welche Baukosten für die vielen Baustellen entstehen würden, die vor Ort in den Städten und Gemeinden zum jeweiligen Ausbau der Stromnetze erforderlich würden, ist dabei nicht berücksichtigt. Ob und inwieweit dann die jeweiligen Anrainer mit zu den Straßenbaukosten herangezogen werden können, wird derzeit in manchen Landtagen diskutiert. Zudem sind in diesem Betrag auch die erforderlichen Kosten zum Ausbau der Stromerzeugung, der Fernstromnetze und der Netzsicherheit für den dann stark steigenden Strombedarf nicht enthalten. 

Anhand dieser Studie wird allerdings erkennbar, wer die Haupttreiber dafür sind, dass solche Fördermittel für den Kapazitätsausbau der Stromnetze bewilligt werden. Dazu gehören die Deutsche Telekom, die künftig auch Ladesäulen betreiben will, das Energieversorgungsunternehmen ENBW, wie auch ein Zusammenschluss der Autohersteller BMW, Daimler, VW und Ford, die mit Ionity bis zum Jahr 2020 an europäischen Verkehrsachsen 400 Schnell-Ladestationen errichten wollen. Insgesamt sollen, so die derzeitigen Ankündigungen, bis 2020 etwa 2000 Schnell-Ladestationen errichtet werden. Ob dafür dann auch die jeweils erforderliche Stromerzeugungs- und die Stromverteilungsinfrastruktur umgebaut sind, wird derzeit öffentlich nicht angesprochen.

In dieser Studie zeigt sich allerdings eine derzeit weit verbreitete Einseitigkeit in der Betrachtung möglicher Vorgehensweisen zum Ausbau von verbrennungsfreier Mobilität. Batteriebetriebene Elektromobile sind nicht die einzige Möglichkeit für nachhaltige Mobilität und umweltschonenden Verkehr. Es wäre eine zu einseitige Förderung und würde zu große Abhängigkeiten erzeugen, würden alleine in den Infrastrukturausbau für batteriebetriebene Fahrzeuge 11 Milliarden Euro als Subventionen fließen.

Würden Subventionen von 11 Milliarden Euro in die erforderliche Infrastruktur einer anderen Zukunftstechnik investiert, könnte damit die erforderliche Infrastruktur für die ganze Bundesrepublik aufgebaut werden. Die ebenfalls elektrisch betriebenen Brennstoffzellenfahrzeuge erzeugen den jeweils benötigten Strom dezentral selbst im jeweiligen Fahrzeug. Dazu brauchen sie einen genügend großen Wasserstofftank und als Infrastruktur ein genügend dichtes Netz an Wasserstoffzapfsäulen. Der Ausbau einer Tankstelle mit Tanks und Zapfsäulen für Wasserstoff würde derzeit etwa 1 Mio. Euro kosten. Mit 11 Milliarden Euro könnten demnach etwa 11.000 Tankstellen ausgebaut werden. 

In der Bundesrepublik gibt es derzeit etwas mehr als 14.000 Tankstellen für Diesel- und Benzinkraftstoffe. Der Vergleich mit dieser Anzahl zeigt, dass ein Aufbau einer entsprechenden Wasserstoff-Tankstelleninfrastruktur überschaubar bleibt und dabei keine zusätzlichen Belastungen von Anrainern durch entstehende Straßenbaukosten notwendig würden. Wasserstoff als Treibstoff könnte sogar überall dort erzeugt werden, wo Wasser und elektrischer Strom vorhanden sind. Dann könnte dieser Treibstoff mit Tanklastzügen, die ebenfalls mit einem Brennstoffzellenantrieb ausgerüstet wären, überall dorthin transportiert werden, wo er gebraucht wird. Es würde kein zusätzlicher Ausbau der Stromnetze erforderlich. Zusätzlich wäre es möglich, Energie in der Form von Wasserstoff zu lagern und zu transportieren – der Ausbau von Fernstromleitungen, um die Energie für Elektromobilität zu transportieren würde entfallen.

Warum Industrie und Politik dennoch auf die für die Bürger absehbar teurere Variante von batteriebetriebener Elektromobilität setzen, ist nicht wirklich zu verstehen. Zudem erzeugt diese batteriebetriebene Elektromobilität neue Abhängigkeiten für die Betreiber, die Nutzer und für die gesamte Gesellschaft: Die derzeitige Abhängigkeit vom Erdöl wird ersetzt durch die Abhängigkeiten von den Rohstoffen Lithium und Coltan. Coltan ist ein seltener mineralischer Rohstoff für die Elemente Niob und Tantal, die vor allem für elektronische Komponenten und für den Bau von Batterien für Elektroautos gebraucht werden. Sollen wir als Menschen und Bürger – dem geplanten Handeln und Investieren von Industrie und Politik entsprechend - unsere Abhängigkeiten behalten müssen, um besser kontrollierbar zu bleiben?

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